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Das Wichtigste in Kürze
Zeolith, Bentonit und Heilerde werden häufig in einem Atemzug genannt, sind aber mineralogisch unterschiedliche Stoffe mit unterschiedlichem Rechtsstatus in Deutschland. Der wichtigste Unterschied zwischen den dreien ist rechtlicher, nicht wissenschaftlicher Natur: Heilerde ist bei bestimmten Produkten als Arzneimittel zugelassen, Zeolith-Präparate zur Einnahme sind meist CE-gekennzeichnete Medizinprodukte, Bentonit ist als Futtermittelzusatzstoff zugelassen und als Lebensmittelzusatzstoff gestrichen. Es gibt keine Studie, die die drei Stoffe direkt am Menschen miteinander verglichen hat. Deshalb kürt dieser Artikel keinen Sieger, sondern liefert Kriterien, um die drei einzuordnen.
Die Mineralogie im Vergleich
Clinoptilolith, der Hauptbestandteil von Zeolith-Präparaten, ist ein Gerüstsilikat: ein dreidimensionales Netzwerk aus Silizium- und Aluminium-Tetraedern mit einer starren, nicht quellfähigen Kanalstruktur. Die Kationenaustauschkapazität, ein Maß dafür, wie viele positiv geladene Teilchen ein Mineral binden und wieder gegen andere austauschen kann, liegt bei Clinoptilolith bei etwa 219 bis 311 Milliäquivalent pro 100 Gramm (Grifasi et al., Environmental Science and Pollution Research 2024). Wie dieses Mineral entsteht und woran sich seine Qualität festmachen lässt, erklärt der Artikel Was ist Zeolith.
Bentonit besteht überwiegend aus Montmorillonit, einem Schichtsilikat: Zwischen die Silikatschichten lagert sich Wasser ein, wodurch das Mineral quillt und ein Vielfaches seines Trockenvolumens aufnehmen kann (ScienceDirect, Fachartikel zu Montmorillonit-Schichtsilikaten). Die Kationenaustauschkapazität liegt mit rund 80 bis 150 Milliäquivalent pro 100 Gramm deutlich niedriger als bei Clinoptilolith (ScienceDirect, The Lower Cation Exchange Capacity Limit of Montmorillonite).
Heilerde ist demgegenüber kein einheitlich definiertes Mineral, sondern ein natürliches Gemisch aus Löss und Lehm, dessen genaue Zusammensetzung je nach Abbaugebiet variiert. Sie ist deshalb auch nicht über eine Reinsubstanz-Monographie geregelt, sondern über die Deklaration des jeweiligen Fertigprodukts. Bentonit hat dagegen eine eigene Reinsubstanz-Monographie im Europäischen Arzneibuch, im offiziellen EDQM-Index als „Bentonitum“ gelistet (EDQM, Index Ph. Eur. 11.3). Für Heilerde als Gemisch existiert keine vergleichbare einheitliche Kennzahl, deshalb nennt dieser Artikel für sie auch keine Kationenaustauschkapazität.
Zeolith (Clinoptilolith)
- Mineralklasse: Gerüstsilikat (Tektosilikat)
- Struktur: starres 3D-Kanalgerüst, nicht quellfähig
- Rechtsstatus in Deutschland: als Lebensmittel/Nahrungsergänzungsmittel nicht zugelassen (Novel-Food-Status); Präparate zur Einnahme meist als Medizinprodukt mit CE-Kennzeichnung im Handel
- Belegte Wirkungen: gesenkter Zonulin-Wert im Stuhl bei ausdauertrainierten, gesunden Erwachsenen (Surrogatmarker, siehe unten)
- Bekannte Risiken: Verstopfung
Bentonit (Montmorillonit)
- Mineralklasse: Schichtsilikat (Smektit)
- Struktur: lamellare Schichtstruktur, quellfähig
- Rechtsstatus in Deutschland: als Futtermittelzusatzstoff EU-weit zugelassen; als Lebensmittelzusatzstoff (E 558) aus der Zulassungsliste gestrichen
- Belegte Wirkungen: Reduktion von Aflatoxin-Biomarkern bei hoher Aflatoxin-Belastung (Hochrisikokollektiv, siehe unten); bei Reizdarm nur subtyp-abhängige, uneinheitliche Ergebnisse
- Bekannte Risiken: Wechselwirkung mit Arzneistoffen durch Adsorption; Verunreinigungsrisiko bei ungeprüftem Rohton
Heilerde
- Mineralklasse: kein einheitliches Mineral, Gemisch aus Löss und Lehm
- Struktur: heterogen, abhängig vom Abbaugebiet
- Rechtsstatus in Deutschland: bestimmte Produkte als freiverkäufliches Arzneimittel zugelassen (zum Beispiel bei Sodbrennen)
- Belegte Wirkungen: Linderung bei Sodbrennen laut industrienaher, unkontrollierter Anwendungsbeobachtung (siehe unten)
- Bekannte Risiken: Wechselwirkung mit Arzneistoffen durch Adsorption; Kontraindikation bei schwerer Nierenfunktionsstörung
Der Rechtsstatus in Deutschland
Der auffälligste Unterschied zwischen den drei Stoffen liegt nicht in der Chemie, sondern im Recht. Heilerde ist in Deutschland bei bestimmten Produkten als freiverkäufliches Arzneimittel zugelassen: Für Luvos-Heilerde-Präparate gegen Sodbrennen nennt die amtliche Gebrauchsinformation als Anwendungsgebiet „Sodbrennen“ (Luvos-Heilerde, Gebrauchsinformation). Zeolith gilt EU-rechtlich dagegen als neuartiges Lebensmittel und ist als solches nicht zugelassen; Präparate zur Einnahme werden deshalb überwiegend als Medizinprodukte angeboten (Lebensmittelklarheit.de, Verbraucherzentrale). Wer beim Kauf eines Zeolith-Präparats auf diesen Status achten möchte, findet Kriterien im Kaufratgeber.
Bentonit ist als Futtermittelzusatzstoff für alle Tierarten EU-weit zugelassen (Durchführungsverordnung (EU) Nr. 1060/2013). Als Lebensmittelzusatzstoff (E 558) wurde er dagegen aus der EU-Zulassungsliste gestrichen (Verordnung (EU) Nr. 380/2012).
Arzneimittelzulassung und CE-Kennzeichnung sind rechtlich völlig verschiedene Dinge. Eine Arzneimittelzulassung ist ein behördliches Prüfverfahren, in dem Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und pharmazeutische Qualität geprüft werden, bevor eine Zulassungsnummer vergeben wird (European Medicines Agency, Overview Medical Devices). Die CE-Kennzeichnung eines Medizinprodukts ist dagegen keine behördliche Wirksamkeitsprüfung, sondern das Ergebnis eines herstellergesteuerten Konformitätsbewertungsverfahrens; bei der niedrigsten Risikoklasse darf der Hersteller dieses Verfahren sogar eigenverantwortlich ohne externe Prüfstelle durchführen (Bundesministerium für Gesundheit, Marktzugangsvoraussetzungen für Medizinprodukte). Wer bei einem Zeolith-Produkt „CE-gekennzeichnet“ oder „zertifiziert“ liest, liest also gerade keine amtliche Aussage zur Wirksamkeit, sondern eine Aussage über ein Verfahren.
Was für jede Substanz belegt ist
Für alle drei Substanzen gilt: Belegte Wirkungen sind einzeln zu betrachten, mit dem jeweiligen Studiendesign und seinen Grenzen im selben Zusammenhang.
Heilerde
Die amtliche Gebrauchsinformation nennt als Wirkmechanismus, dass Heilerde nach der Einnahme einen Schutzfilm auf der gereizten Speiseröhrenschleimhaut bildet und Magensäure bindet (Luvos-Heilerde, Gebrauchsinformation). Eine Anwendungsbeobachtung mit 146 Teilnehmenden über zwei Wochen berichtete bei rund 80 Prozent eine als „sehr gut“ oder „gut“ bewertete Wirkung bei Sodbrennen, allerdings ohne Kontrollgruppe und als vom Hersteller unterstützter Beitrag im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht (Deutsches Ärzteblatt, Advertorial). Eine Prüfung des Volltexts der aktuellen S2k-Leitlinie „Gastroösophageale Refluxkrankheit“ ergab: Die Begriffe Heilerde, Bentonit und Löss kommen darin nicht vor (AWMF-Leitlinienregister, S2k-Leitlinie 021-013, 2023). Heilerde ist bei der Sodbrennen-Indikation also durch eine unkontrollierte, industrienahe Beobachtung gestützt, nicht durch eine Leitlinienempfehlung.
Bentonit: Wirkung und Grenzen
Am besten untersucht ist verwandtes Tonmaterial bei der Bindung von Aflatoxinen, giftigen Stoffwechselprodukten bestimmter Schimmelpilze: In einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie (weder Teilnehmende noch Studienpersonal wussten, wer das echte Mittel erhielt) mit 177 Teilnehmenden aus einem Hochrisikokollektiv in Ghana senkte calciumhaltiger Montmorillonit-Ton über drei Monate nachweislich Aflatoxin-Biomarker in Blut und Urin, in der Hochdosis-Gruppe um bis zu 58 Prozent (Wang et al., Food Additives and Contaminants 2008, Teil I; Teil II). Diese Studie lief an einer Bevölkerungsgruppe mit hoher Aflatoxin-Belastung, eine Übertragung auf europäische Verbraucher ohne diese Belastung ist damit nicht belegt.
Bei Reizdarm zeigte eine multizentrische, placebokontrollierte Studie mit beidellitischem Montmorillonit über acht Wochen im Gesamtkollektiv keinen signifikanten Effekt auf Schmerz oder Unwohlsein, nur bei Verstopfungs-dominantem Reizdarm eine Wirksamkeit (Ducrotté et al., Alimentary Pharmacology and Therapeutics 2005). Eine weitere Studie zu einem verwandten Tonmineral bei Durchfall-dominantem Reizdarm zeigte in der Kernaussage keinen klaren Zusatznutzen gegenüber Placebo (Chang et al., Journal of Gastroenterology and Hepatology 2007).
Zeolith und Clinoptilolith
In einer randomisierten (nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilten) und placebokontrollierten Studie mit 52 ausdauertrainierten, gesunden Erwachsenen senkte die zwölfwöchige Einnahme den Biomarker Zonulin im Stuhl signifikant (Lamprecht et al., Journal of the International Society of Sports Nutrition 2015). Zonulin gilt als Hinweis auf die Durchlässigkeit der Darmwand, ist selbst aber nur ein Surrogatmarker, ein Messwert ohne eigenen Symptom-Charakter, und die Studie lief an einer gesunden Sportler-Population, nicht an Menschen mit einer konkreten Beschwerde. Den Mechanismus dahinter erklärt ausführlicher der Artikel Zeolith und Darm.
Bei einem zertifizierten Zeolith-Medizinprodukt lautet die Zweckbestimmung entsprechend eng gefasst, zum Beispiel: eine Stärkung der Darmwandbarriere durch eine physikalische Bindung von definierten Schadstoffen im Magen-Darm-Trakt. Eine für alle Zeolith-Medizinprodukte einheitliche Zweckbestimmung gibt es nicht, maßgeblich ist immer die des konkreten Produkts. Eine placebokontrollierte Pilotstudie bei Durchfall-dominantem Reizdarm mit 30 Teilnehmenden verfehlte beim primären Endpunkt, der Gesamt-Linderung nach Patientenurteil, die Signifikanz; einzelne sekundäre Endpunkte wie die tägliche Schmerzreduktion waren dagegen signifikant. Die Autoren selbst nennen die kleine Stichprobe und einen ausgeprägten Placebo-Effekt als Limitation (Anderle et al., World Journal of Gastroenterology 2022).
Kein Sieger im direkten Vergleich
Bentonit oder Zeolith, Heilerde oder Zeolith: Diese Gegenüberstellungen werden im Netz ständig entschieden. Trotz aller Einzelbelege gibt es dabei einen Befund, der in kaum einem Ratgeber ausgesprochen wird: Es gibt keine veröffentlichte Studie, die Zeolith beziehungsweise Clinoptilolith direkt gegen Bentonit, Montmorillonit oder Heilerde am Menschen verglichen hat, weder als Kopf-an-Kopf-Studie noch als Vergleichskohorte. Wir haben in mehreren Suchläufen gezielt nach Kopf-an-Kopf-Studien und Vergleichskohorten gesucht, in deutscher und englischer Fachliteratur, und keine gefunden. Alle drei Substanzen wurden bisher nur einzeln gegen Placebo oder eine Kontrollgruppe getestet, nie gegeneinander. Das ist der Grund, warum dieser Artikel keinen Sieger benennt: Wer irgendwo liest, ein Stoff sei „besser“ oder „stärker“ als ein anderer, liest eine Meinung, keine Studienlage.
Gemeinsame Grenzen
Unabhängig von Mineralklasse und Rechtsstatus teilen sich die drei Substanzen einige praktische Grenzen. Verstopfung wird bei allen dreien als bekannte, meist vorübergehende Nebenwirkung beschrieben; eine Sicherheitsübersicht nennt sie im Zusammenhang mit der oralen Einnahme von Zeolith, die Gebrauchsinformation von Heilerde nennt ausreichende Flüssigkeitszufuhr als Gegenmaßnahme (Frontiers in Pharmacology 2018; Luvos-Heilerde, Gebrauchsinformation). Eine ausführlichere Übersicht zu Zeolith-Nebenwirkungen gibt der Artikel Zeolith-Nebenwirkungen.
Adsorbierende Mineralien wie diese binden nicht nur Schadstoffe, sondern können auch die Aufnahme bestimmter Arzneistoffe verringern: Ältere pharmakokinetische Studien (Untersuchungen dazu, wie ein Wirkstoff im Verdauungstrakt aufgenommen wird) zu verwandten Kaolin-Pektin-Präparaten zeigten eine deutlich reduzierte Aufnahme von Ampicillin, Amoxicillin, Digoxin und Clindamycin bei gleichzeitiger Einnahme (Interaktionsstudien zu Kaolin-Pektin). Das ist die Grundlage für den Rat, bei allen drei Substanzen einen zeitlichen Abstand zu anderen oral eingenommenen Medikamenten einzuhalten. Wie groß dieser Abstand im Einzelfall sein sollte, steht in der Gebrauchsinformation des jeweiligen Produkts, nicht in einer pauschalen Stundenzahl in einem Ratgeberartikel; eine Einordnung zur Anwendung von Zeolith gibt der Artikel Zeolith: Anwendung und Dosierung.
Verunreinigungen sind ein weiteres gemeinsames Thema. Untersuchungen an traditionellen Ton- und Erdeproben aus Geophagie-Kontexten (dem gezielten Verzehr von Erde) in Ghana fanden unter anderem Blei, Arsen und Nickel in Konzentrationen, die auf ein gesundheitliches Risiko bei regelmäßigem Verzehr solcher Proben hindeuten (Kortei et al., BMC Pregnancy and Childbirth 2020). Diese Studie untersuchte traditionell verwendete Rohtone, nicht geprüfte und deklarierte Bentonit- oder Heilerde-Fertigprodukte aus dem europäischen Handel; eine direkte Übertragung auf Markenprodukte ist damit nicht belegt. Und schließlich enthalten alle drei Substanzen Aluminium als natürlichen Bestandteil ihres Kristallgitters. Die EFSA legt dafür eine tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge von 1 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht fest (EFSA-Neubewertung, zitiert in PMC7448050).
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Zeolith und Bentonit?
Zeolith (Clinoptilolith) ist ein Gerüstsilikat mit starrer, nicht quellfähiger Kanalstruktur, Bentonit (Montmorillonit) ein Schichtsilikat, das quillt und dadurch ein Vielfaches seines Trockenvolumens aufnehmen kann. Rechtlich unterscheiden sie sich ebenfalls: Zeolith-Präparate zur Einnahme sind meist Medizinprodukte, Bentonit ist als Futtermittelzusatzstoff zugelassen und als Lebensmittelzusatzstoff gestrichen.
Ist Heilerde dasselbe wie Bentonit?
Nein. Heilerde ist ein Gemisch aus Löss und Lehm ohne einheitliche Mineraldefinition, Bentonit dagegen ein spezifisches Tonmineral mit eigener Reinsubstanz-Monographie im Europäischen Arzneibuch. Die gelegentlich kursierende Gleichsetzung beider Begriffe ist fachlich nicht korrekt.
Heilerde oder Zeolith: was ist besser?
Dazu gibt es keine belastbare Antwort, weil keine Studie beide Stoffe direkt am Menschen miteinander verglichen hat. Welcher Stoff infrage kommt, hängt eher vom Zweck und vom rechtlichen Rahmen ab als von einem wissenschaftlich erwiesenen Sieger.
Kann man Zeolith und Bentonit zusammen einnehmen?
Eine Studienlage zur gemeinsamen Einnahme beider Stoffe existiert nicht. Da beide Substanzen Arzneistoffe adsorbieren können, ist in jedem Fall ein zeitlicher Abstand zur Einnahme anderer Medikamente sinnvoll; eine Kombinationsempfehlung lässt sich aus der vorliegenden Datenlage nicht ableiten.
Welche Nebenwirkungen können bei Zeolith, Bentonit oder Heilerde auftreten?
Verstopfung wird bei allen drei Substanzen als bekannte, meist vorübergehende Nebenwirkung beschrieben. Details zu Zeolith speziell finden sich im Artikel Zeolith-Nebenwirkungen.
Fazit
Zeolith, Bentonit und Heilerde sind drei unterschiedlich regulierte Stoffe mit jeweils eigener, begrenzter Studienlage. Heilerde ist bei bestimmten Produkten ein zugelassenes Arzneimittel, Zeolith-Präparate zur Einnahme sind meist CE-gekennzeichnete Medizinprodukte, Bentonit ist als Futtermittel-, nicht aber als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen. Welcher Stoff für welchen Zweck infrage kommt, lässt sich aus diesem rechtlichen Rahmen und aus den einzeln vorliegenden Studien ableiten, nicht aus einem direkten Vergleich am Menschen, den es schlicht nicht gibt.
Dieser Artikel informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Beratung.




